Viele Anbieter digitaler Fortbildungen versprechen spielerisches Lernen und kürzeste Lernzeiten. Die Schlagworte klingen nach Fortschritt, doch insgeheim geht es oft nur um das schnelle Bestanden-Häkchen im System. Worauf Verantwortliche achten sollten, wenn nachhaltiger Lernerfolg gefragt ist, erklärt unser Beitrag.
Stellen Sie die richtigen Fragen?
Ob Pflichtunterweisung oder Pflegefortbildung, beim beruflichen Lernen ist das Ziel ein nachhaltiger Lernerfolg und eine gesteigerte Handlungskompetenz.
Das ist wichtig, weil eine hohe Kompetenz etwa bei Themen wie Brandschutz, IT-Sicherheit oder Datenschutz eine Gesundheitseinrichtung im Ernstfall vor enormen Schäden bewahren kann.
In der Bildungsforschung belegen zahlreiche empirische Studien, was beim Lernen zählt. Ausgerechnet zu diesen entscheidenden Faktoren schweigen aber viele Anbieter.
Die folgenden Leitfragen sollen dabei helfen, didaktisch relevante Aspekte eines Bildungsangebots zu betrachten.
- Was passiert im Kopf? Moderne Ansätze der Unterrichtsqualität betonen die eigene gedankliche Anstrengung für den Lernerfolg. Erfolgreiches Lernen findet nicht nebenbei statt. Gefragt ist eine intensive Beschäftigung mit einem Thema. Fragen Sie sich selbst: Wie viel wissen Sie noch von der Naturdokumentation, die Sie neulich gestreamt haben? Wer aufmerksam zuhört, sich Notizen macht, neue Erkenntnisse mit Vorwissen abgleicht oder seine Gedanken diskutiert, wird mit höherer Wahrscheinlichkeit später Einzelheiten berichten können. Eine gute Schulung hilft dabei, den Kopf anzustrengen: Aktivierende Anteile wie Denkanstöße, Fallbesprechungen, Schätzaufgaben oder Selbsttests wirken anregend. Rein informierende Lernangebote wie Videoschulungen ohne interaktive Anteile laufen Gefahr, die Teilnehmenden in eine passive Rolle zu drängen.
- Passt die Art der Vermittlung zu den Lerninhalten? Aus der Schulzeit wissen wir alle, wie viele Methoden es gibt, um Inhalte zu vermitteln. Erklärtexte, Vokabeltests, Computersimulationen, Rollenspiele oder Vorträge sind nur einige Beispiele. Für die Fortbildung Ihres Personals ist es vorteilhaft, wenn ein Lernanbieter die Stärken des verwendeten Mediums didaktisch geschickt nutzt. So kann eine VR-Brille einen sehr authentischen Eindruck einer Umgebung vermitteln und realistische Bewegungsabläufe ermöglichen. Ein KI-gestützter Avatar kann Gespräche simulieren. Wichtig ist die Passung zwischen Zielgruppe, Lernziel und Lernangebot.
- Fördert das Angebot die Motivation? Lernende sind besonders engagiert, wenn sie eigene Entscheidungen treffen dürfen (z. B. Lerninhalte oder Lernpfade wählen), sich kompetent fühlen (z. B. durch einen individuell angepassten Schwierigkeitsgrad, Fortschrittsanzeigen oder Erfolgserlebnissen bei interaktiven Aufgaben) und sozial eingebunden sind (z. B. über den Austausch mit anderen). Diese grundlegenden Aspekte der Motivation sind gut belegt und können in digitalen Bildungsangeboten aktiv gefördert werden. Achten Sie auch bei Ihrer Schulungssoftware auf motivationsförderliche Elemente.
- Passt sich die Schulung den Lernenden an? Der Aufbau von Wissen ist eine Eigenleistung. Wer sich schlecht konzentrieren kann, Verständnisschwierigkeiten hat oder keine Lust auf Fortbildung hat, wird schlechter abschneiden. Studien zeigen, dass etwa die Hälfte des Lernerfolgs durch individuelle Merkmale der Lernenden erklärbar ist. Bei digitalen Fortbildungen spielen auch IT-Kenntnisse eine Rolle. Wer etwa mit der Bedienung einer Simulation überfordert ist, hat weniger kognitive Ressourcen für das Lernen übrig. Fragen Sie also, ob ein digitales Lernformat in der Lage ist, unterschiedliche Voraussetzungen zu berücksichtigen. Halten Sie Ausschau nach Hilfesystemen, Tutorials, Übersetzungen, Einstellungen für die Barrierefreiheit oder Vorwissen-Tests zur Einordnung in unterschiedliche Lernpfade.
- Lässt sich das E-Learning in ein Schulungskonzept integrieren? Besonders gute Ergebnisse erzielen Schulungen, die von Begleitangeboten flankiert werden. Wer etwa den Umgang mit herausfordernden Situationen in einem Web-based Training erwirbt, könnte von einem Rollenspielangebot vor Ort die praktische Umsetzung üben und langfristig von 1-2 Terminen profitieren, in denen das Gelernte und Erlebte reflektiert werden. Zugegeben ist der Aufwand hoch, doch tiefgreifende Änderungen im Wissen und Verhalten sind nicht zwischen Tür und Angel erreichbar. Optimal sind Bildungsangebote, die sich leicht in ein übergeordnetes Schulungskonzept einbetten lassen oder sogar entsprechendes Zusatzmaterial mitbringen.
Wer die genannten Aspekte berücksichtigt , kann von den Möglichkeiten digitaler Schulungen besonders gut profitieren. Nichtsdestotrotz wäre es unrealistisch, das perfekte Bildungsangebot einzufordern. Wirtschaftliche Erwägungen führen sowohl bei den Anbietern als auch bei den Abnehmern von digitalen Bildungsangeboten zu Schwerpunktsetzungen.
Umso wichtiger sind didaktische Fragen bei der Beurteilung von Bildungstechnologien. Zentral ist, sich nicht durch ein schickes User Interface oder unrealistische Entertainment-Versprechungen blenden zu lassen.
Verantwortliche für die berufliche Fort- und Weiterbildung sind darüber hinaus gut beraten, die Verankerung eines Lernangebots in der eigenen Fortbildungslandschaft zu diskutieren. Das gilt insbesondere für Themen, die messbare Lernerfolge verlangen und nicht nur ein Bestanden-Häkchen im Lernmanagementsystem.
Hinweis: Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel des Autors, der ursprünglich erschienen ist in f&w (04/2026).
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